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Job Enlargement

Job Enlargement: Arbeitserweiterung als Möglichkeit der stellengebundenen Personalentwicklung

Job Enlargement heißt wörtlich übersetzt “Arbeitserweiterung”. Erfahren Sie in diesem Beitrag, was damit konkret gemeint ist und welche Vorteile diese Variante der kreativen Arbeitsverteilung mit sich bringt.

Job Enlargement in der Praxis

Für das schnelle Verständnis wollen wir zunächst schildern, was bei diesem Vorgang eigentlich passiert: Mitarbeiter erhalten erweiterte Aufgaben, sie müssen aber deshalb nicht mehr oder schneller arbeiten. Vielmehr bleibt das Anforderungsniveau erhalten, in der Regel sind es einfach andere Aufgaben als bisher. Die bisherigen Tätigkeiten werden zugunsten der neuen Aufgaben reduziert, in manchen Fällen tauschen Mitarbeiter einfach (zeitweise) die Arbeitsplätze.

Am Ende haben sie etwas Neues gelernt und können dadurch vom Arbeitgeber flexibler eingesetzt werden. Die Mitarbeiter atmen auf, weil sie von langer, ermüdender Routine auf der vorherigen Position befreit werden. Es ist auch möglich, ihnen anspruchsvollere Tätigkeiten zuzuweisen. In diesem Fall spricht man von Job Enrichment, was “Arbeitsbereicherung” heißt.

Welche Vorteile hat die Arbeitserweiterung?

Viele berufliche Tätigkeiten  sind monoton oder erscheinen so, wenn sie der Mitarbeiter über Jahre routiniert  ausübt. Menschen sind aber keine Maschinen, sie leiden stark unter dieser Monotonie. Es entsteht das Gefühl von Unterforderung, das aber sehr subjektiv ist und sogar auf gefährliche Weise falsch sein kann. Es gibt Tätigkeiten, die mit einer gewissen Routine wirklich sehr gleichförmig verlaufen, aber dennoch die permanente Aufmerksamkeit des Beschäftigten erfordern.

Das wäre beispielsweise der Job eines Berufskraftfahrers, bei vielen Maschinenbedienern ist dasselbe Phänomen zu beobachten. Fahrer von Speditionsfahrzeugen oder Reisebussen mit immer derselben Strecke können unter dieser Monotonie so leiden, dass sie am Steuer einschlafen. Die Folgen sind bekannt.

Auch bei Bürojobs gibt es diese Routinen, es drohen nur nicht gleich tödliche Unfälle wegen mangelnder Motivation. Doch die Arbeitnehmer machen irgendwann nur noch den berüchtigten Dienst nach Vorschrift, ihre Leistung sinkt, sie werden häufiger krank und erleiden schlimmstenfalls einen Bore-out. Das ist eine Syndrom bei andauernder Unterforderung, dessen Auswirkungen denen des Burn-outs – also der andauernden Überforderung – ähneln. Wenn diese Mitarbeiter nun neue Aufgaben erhalten, sind sie vollkommen neu motiviert, gehen mit Freude an die Arbeit und leisten mehr. Zusätzlich binden sich wieder an diesen Arbeitgeber, den sie sonst womöglich verlassen hätten – wenn er sie nicht vorher wegen nachlassender Leistung gekündigt hätte.

Wie einfach ist das Job Enlargement durchzuführen?

In der Praxis ist es für den Abteilungsleiter nicht immer einfach, seine Kollegen etwas routieren zu lassen, nur um ihre Motivation zu stärken. Kluge Chefs gehen aber so vor und finden auch Mittel und Wege, um den Arbeitsalltag abwechslungsreich zu gestalten. Die Mitarbeiter können ihnen aber entgegenkommen: So könnten die Kollegen unter sich besprechen, ob sie nicht einmal einige Tätigkeiten und/oder Arbeitsplätze tauschen könnten. Dann sollten an den Chef herantreten und um ein Job Enlargement bitten.

Über den Autor

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere.