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Nachhaltiges Recruiting: Besetzungserfolg langfristig sichern

Nachhaltiges Recruiting: Besetzungserfolg langfristig sichern

Nachhaltiges Recruiting dient dazu, eine Stellenbesetzung auf lange Sicht erfolgreich zu gestalten. Lesen Sie in diesem Beitrag, wie Sie neue Kandidaten nachhaltig rekrutieren.

Nachhaltiges Recruiting: Welche Faktoren gehören dazu?

Wer bei der Personalauswahl nachhaltig vorgehen möchte, muss hierfür recht viele Faktoren beachten. Wirkliche Nachhaltigkeit beim Recruiting umfasst die folgenden Komponenten:

aussagekräftige Stellenausschreibung mit klaren Formulierungen

mobile Optimierung der Stellenanzeige mit diversen Verbreitungsfunktionen

verschiedene Bewerbungsoptionen: per Mail, Online-Bewerbung und auf Papier

methodisches Vorgehen beim Schalten (wo, wie, zielgruppenfokussiert)

gut gestaltete Karrierewebseite mit ausgezeichneter Employer Brand Darstellung

wertschätzende Kommunikation mit den Bewerbern

Pünktlichkeit bei der Annahme, den Zwischenbescheiden, Absagen und Einladungen zum Gespräch

Datenzugriff/-hoheit beim Bewerber

Wenn von diesen Komponenten auch nur wenige fehlen, wird der Besetzungserfolg zur Glückssache. Sogar die Reputation der Firma kann darunter leiden.

Nachhaltiges Recruiting aus der Sicht von Bewerbern

Kandidaten für eine Stelle sind sehr dankbar, wenn Unternehmen auf die beschriebene Weise nachhaltig rekrutieren. Die alltägliche Praxis sieht nämlich überwiegend anders aus. Die Interessenten finden oft Stellenausschreibungen gar nicht, obwohl bestimmte Positionen für sie ausgezeichnet geeignet wären – beziehungsweise sie für die Position.

Wenn sie sich irgendwo bewerben, erhalten sie oft keine Eingangsbestätigung. Das steht vielfach im Widerspruch zu den Publikationen auf Karrierewebseiten von Unternehmen, auf denen regelmäßig der positive Umgang mit Kandidaten betont wird. Selbst offenkundige Informationsversäumnisse gibt es. So bewerben sich manchmal Personen auf eine Stelle und erhalten dann sechs Wochen später eine Bewerbungsabsage, aber keinesfalls für diejenige Stelle, für die sie eine Bewerbung abgeschickt hatten, sondern für eine andere Stelle des Unternehmens.

Das bedeutet, im Personalbüro herrscht keine Ordnung – ein abschreckender Zustand. Auch verloren gegangene Bewerbungen gibt es, was der Bewerber bei einer telefonischen Nachfrage feststellen muss. Nicht zuletzt sind manchmal die Formulare für Online-Bewerbungen eine blanke Zumutung. Sie enthalten zahllose, teils überflüssig erscheinende Felder, speichern Daten zwischenzeitlich nicht und erzwingen bei einem technischen Fehler (Netzunterbrechung, Rechnerabsturz) den Neubeginn. Diese Beispiele sind alle real. Wenn aber Unternehmen nachhaltiges Recruiting betreiben, gibt es solche Ärgernisse nicht mehr. Dafür sind Bewerber äußerst dankbar. Umgekehrt besteht die Gefahr, dass sie ihren Frust auf Social Networks publizieren, was für die Reputation eines Unternehmens sagenhaft schädlich sein kann: Ein positiver Employer Brand lässt sich so nicht aufbauen.

Nachhaltiges Recruitment mit persönlichkeitszentrierter Personalauswahl

Wenn ein Unternehmen nachhaltiges Recruitment betreiben möchte, sollte es sich entscheiden, ob es nach wie vor nach dem perfekten Mitarbeiter suchen oder eher auf die persönlichkeitszentrierte Personalauswahl setzen sollte. Fortschrittliche Firmen setzen auf Letzteres.

Bislang galt die Strategie, grundsätzlich nach dem “schon fertigen”, mithin perfekten Mitarbeiter zu suchen, doch auch eine noch so aufwendig durchgeführte Recruiting-Strategie muss diesen nicht finden. Natürlich gilt es, einen möglichst hohen Passensgrad zwischen Stellen- und Bewerberprofil anzustreben, um teure Fehlbesetzungen zu vermeiden. Aber lebensnäher ist die sogenannte Persönlichkeitszentrierung.

Bei dieser Art von Personalauswahl konzentrieren sich die Arbeitgeber auf Persönlichkeitsmerkmale von Bewerbern, die ein bestimmtes Potenzial versprechen. Man geht davon aus, dass ein intelligenter, gut ausgebildeter und motivierter Kandidat mit hohem Cultural Fit die nötigen Fähigkeiten für den Job nicht alle mitbringen muss – er kann sie teilweise auch erwerben (inklusive einiger Hard Skills). Hierfür bietet ihm das Unternehmen Weiterbildungen an. Diese werden wiederum in den meisten Fällen den Mitarbeiter an das Unternehmen binden, denn er investiert schließlich selbst darin viel Zeit. Auch das ist nachhaltiges Recruiting. Der Hintergrund ergibt sich aus dem gegenwärtigen Fachkräftemangel. Unternehmen können kaum noch mehr tun, als ihren Employer Brand möglichst gut zu entwickeln und anschließend mit transparenten Auswahlverfahren und angemessenem Feedback sowie allen anderen (oben genannten) Faktoren für nachhaltiges Recruiting unter den Kandidaten die bestmöglichen anstelle der “idealen” oder “perfekten” auszuwählen.

Praxistipps für nachhaltiges Recruiting

  • Entwickeln Sie einen erstklassigen Employer Brand.
  • Entscheiden Sie sich eher für eine personenzentrierte Auswahl von Bewerbern.
  • Schaffen Sie für das Recruiting standardisierte und transparente Prozesse. Das wird qualifizierte Bewerber anziehen.
  • Betrachten Sie alle Mitarbeiter und Bewerber aus der ganzheitlichen Sicht ihrer Leistung, aber auch der nötigen Work-Life-Balance und der gewünschten individuellen Karriereperspektiven.
  • Entwickeln Sie bei Ihren Führungskräften hohe Coaching-Qualitäten
Über den Autor

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere.