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Zukunftsbranche mit Potential: Life Sciences

Zukunftsbranche mit Potenzial: Life Sciences

Die Zukunftsbranche Life Sciences steht vor Herausforderungen, nicht nur im Hinblick auf ihre wissenschaftlichen Aufgaben, sondern auch hinsichtlich des HR-Managements. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie Sie als Personaler die Fachkräfte für diesen zukunftsträchtigen Sektor gewinnen.

Zukunftsbranche Life Sciences: Potenzial der Biowissenschaften

Die Forschungsfelder der Biowissenschaften sind beeindruckend. Die Gentherapie gehört genauso dazu wie die damit verbundene Entschlüsselung des menschlichen Genoms, genetische Fingerabdrücke, Präimplantationsdiagnostik und embryonale Stammzellen: In diesem Sektor arbeiten Forscher und Unternehmen tatsächlich an der Zukunft.

Eine Karriere in diesem Bereich ist unglaublich spannend und eröffnet gigantische Chancen auf eine höchst interessante persönliche Entwicklung und gleichzeitig ein hohes Einkommen. Der Arbeitsmarkt gilt im Bereich der Life Sciences hingegen als kompliziert, denn die Branche, die zu den weltweit größten Wachstumsmärkten gehört, sucht händeringend Nachwuchs.

Für Absolventen sind die Jobaussichten glänzend, für Arbeitgeber ergibt sich das gravierende Problem, die rar gesäten Fachkräfte mühselig anwerben zu müssen. Das gilt für andere Zukunftsbranchen zwar auch, jedoch vermuten Experten, dass viele Unternehmen im Bereich Life Sciences ihre Recruiting-Potenziale nur unzureichend ausschöpfen.

Rasante Entwicklung der Zukunftsbranche Life Sciences

Um die Problematik des Recruitings im Bereich der Biowissenschaften zu verstehen, hilft ein Blick auf die rasante Entwicklung dieser Branche in den letzten Jahrzehnten. Noch in den 1980er bis 1990er Jahren gehörten die Life Sciences eher zu den beschreibenden und vorwiegend forschenden Wissenschaften. Inzwischen jagt hier eine Innovation die nächste, wobei die praktischen Anwendungen immer vielfältiger wurden. Das liegt auch an den Vorgaben der Gesetzgeber beispielsweise im Bereich der Präimplantationsdiagnostik, die zwar in Deutschland rigide, in anderen Staaten aber recht liberal gestaltet sind.

Daher forschen zum Beispiel US-amerikanische Biowissenschaftler munter am Erbgut von Embryonen und arbeiten im Prinzip auf das designte Kind hin – allen moralischen Bedenken zum Trotz. Doch das ist nicht das einzige wichtige Anwendungsgebiet der Life Sciences.

Die Pharmaindustrie etwa käme ohne die wissenschaftliche Vorarbeit dieser Experten längst nicht mehr aus, ebenso profitieren die Umweltwissenschaften, die Medizin und sogar Kernwissenschaften wie die Biologie, die Chemie und die Physik von der Grundlagenforschung der Biotechnologie. Dementsprechend sind die Life Sciences auch für Quereinsteiger wie IT-Fachkräfte und Ingenieure interessant. In den entsprechenden Projekten wird interdisziplinär geforscht, sodass auch Absolventen anderer Fachrichtungen willkommen sind. Die interdisziplinäre Kooperation ergibt sich aus den vielfältigen

Anwendungsmöglichkeiten von Forschungsergebnissen der Life Sciences. Beispiele wären:

  • Organische Leuchtdioden könnten künftig unseren Energieverbrauch senken.
  • Katalysatorsysteme auf biochemischer Basis könnten knappe Ressourcen schonen. Auch ließen sich unerwünschte Nebenprodukte eliminieren.
  • Die Pharmaindustrie benötigt dringend Medikamente für eine alternde Gesellschaft, der Folge des demografischen Wandels. Life Science Experten arbeiten daran.
  • Selbst an leistungsfähigen Batteriesystemen und neuen Kunststoffen tüfteln Life-Sciences-Experten.

Die rein technischen Entwicklungen entspringen dem jungen Forschungsgebiet des Life Science Engineerings. Dieses entstand am Schnittpunkt zwischen Life Sciences und Ingenieurswissenschaften. Life Science Engineering sucht nach Ansätzen der technischen Nutzung von Life Science Forschungsergebnissen. Die grundlegende Philosophie dahinter lautet, dass das Verständnis lebender Systeme bei der Entwicklung technischer Systeme hilft.

Produkte und Verfahren aus diesem Forschungsgebiet helfen der chemischen und pharmazeutischen Industrie, der Umwelttechnik und der Kosmetikbranche. Doch es ist umgekehrt auch ingenieurwissenschaftliches Wissen erforderlich, damit biologische Systeme integrativ die technischen Prozesse unterstützen.

Arbeitgeber im Life Science Sektor

  • große Unternehmen mit breit aufgestellten FuE-Abteilungen
  • Pharmaindustrie
  • chemische Industrie
  • staatliche und private Forschungseinrichtungen
  • Automobilindustrie
  • Medizintechnik
  • Start-ups mit Fokus auf eine Marktnische

Auch Lebensmittelhersteller und Unternehmen mit dem Schwerpunkt Umwelttechnologie sind an den Experten sehr interessiert. Das Fachgebiet ist zudem in Bewegung, es kommen immer mehr Anwendungen hinzu. Dementsprechend wächst die Zahl der möglichen Branchen und Arbeitgeber. Diese konkurrieren nun zunehmend um Fachleute.

Typische Probleme beim Recruiting im Life Science Sektor

Der Arbeitskräftebedarf in diesem Sektor war noch nie höher als gegenwärtig. Als bedenklich gilt, dass wegen der nötigen umfassenden Ausbildung der Fachkräftemangel noch wachsen dürfte. Das ist ärgerlich, weil der Mangel an qualifizierten MitarbeiterInnen zu einer Verlangsamung des Innovationstempos und zu verzögerten Produktfreigaben führt. In Zahlen ausgedrückt fehlten der Branche im Jahr 2018 rund 320.000 Arbeitskräfte, eine Verdoppelung gegenüber 2015.

Die Hoch- und Fachhochschulausbildung konnte dem schnell wachsenden Bedarf einfach nicht im selben Tempo folgen. Doch es gibt weitere, zum Teil hausgemachte Ursachen. So betrieben die Unternehmen der Branche über Jahre Outsourcing in Billiglohnländer, was den inländischen Nachwuchs nicht gerade zur Aufnahme eines Studiums in diesem Bereich motivierte. Das stößt inzwischen an Grenzen, gerade KMU und Forschungseinrichtungen setzen nun auf die einheimischen Absolventen. Von diesen gibt es aktuell zu wenige. Wer sie einstellen möchte, muss hierzu eine strukturierte Talentakquise betreiben.

Auch flexible Arbeitseinsätze können die Lücken füllen. Weitere Maßnahmen wären die interne Rekrutierung, eine Überwindung des Silo-Denkens im Unternehmen, fachübergreifende Kooperationen und Weiterbildungen (auch auf der Ebene eines Fernstudiums) für eigene Talente. Damit können Unternehmen auf diesem Zukunftsfeld mit höchstem Potenzial mitwirken.

Über den Autor

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere.